Musikdrama in zwei Akten und Prolog Musik und Libretto Ruggiero Leoncavallo (nach einer wahren Geschichte)
Dirigent–Regisseur HristoIgnatov Regisseur NinaNaydenova Maler des Dekors IvanTokadzhiev Maler der Kostüme NikolinaKostova- Bogdanova Maler der Puppen NikolinaKostova- Bogdanova Choreographie BoryanaSechanova Dirigent des Chors MalinaHubcheva PERSONEN: Canio, Haupt einer Komödiantentruppe – in der Komödie Pagliacci –Tenor Nedda, seine Frau, in der Komödie – Colombina– Sopran Tonio, Komödiant, in der Komödie – Tadeo – Bariton Peppe, Komödiant, in der Komödie –Harlekin– Tenor Silvio, junger Bauer–Bariton Bauer, Bäuerinnen, Kinder. Die Handlung spielt im Dorf Montalto, Kalabrien am 15 August 1865
INHALT PROLOG Der Clown Tonio tritt vor dem Publikum an und teilt mit, dass das, was er auf der Bühne vorstellt, eigentlich im wirklichen Leben passiert. In der Brust von Pagliacci schlägt auch ein liebendes Herz. Auch die Schauspieler, wie alle anderen Menschen, können lieben und hassen und ihre Tränen sind nicht immer ein Spiel. ERSTER AKT Im kleinen italienischen Dorf Montalto ist eine Truppe von reisenden Komödianten angekommen. Canio, der Besitzer der Truppe, lädt alle zu der Vorstellung ein, die am gleichen Abend stattfindet. Die Bauer, froh vom Treffen, bringen die Schauspieler in die Kneipe, um sie zu spendieren. Canio und Peppe nehmen die Einladung mit Freude an, aber Tonio sagt ab. Die Bauer scherzen und deuten an, dass er nicht mitkommen will, um mit Nedda allein zu bleiben. Der Scherz gefällt Canio nicht. Solche Scherze mit ihm sind gefährlich, denn er ist bereit, jeden Rivalen zu töten. Die Drohung des eifersüchtigen Ehemanns hat Nedda beunruhigt. Sie liebt Canio nicht und ist in dieses Dorf, wo ihr geliebter Silvio wohnt, mit Freude gekommen. Die junge Frau träumt von dem Treffen mit ihm. Es kommt der Clown Tonio, der seit langem in Nedda verliebt ist, er hat endlich beschlossen, ihr seine Gefühle zu gestehen. Aber Nedda lacht ihn aus. Wenn Tonio versucht, sie zu berühren, stosst sie ihn ab. Beleidigt und verbissen, geht er, indem er droht, sich grausam zu rächen. Der junge Bauer Silvio kommt. Ihm ist klar, wie groß die Gefahr für die beiden ist, aber er ist gekommen, um Nedda zu überreden, mit ihm zu fliehen. Nedda schwankt, aber die liebevollen Worte des geliebten Mannes überzeugen sie. Die Beiden verabreden sich, am gleichen Abend nach der Vorstellung zu fliehen. In dieser Zeit bringt Tonio, der Nedda verfolgt hat, Canio. Silvio gelingt es zu entfliehen, ohne erkannt zu werden. Vor Eifersucht besessen, versucht Canio seine Frau zu zwingen, den Namen ihres Liebhabers zu sagen. Nedda sagt ab und er hebt seinen Messer gegen sie, aber Peppe gelingt es, die Gewalt zu verhindern. Sich auf die Vorstellung vorbereitend, mit einem grausam verletzten Herz und durch bittere Tränen soll der Clown das Publikum zum Lachen bringen. Canio ist der Pagliacci, der gezwungen ist, die Leute zu amüsieren, die dafür bezahlen.
ZWEITER AKT Die Bauer sammeln sich auf dem Platz. Die Komödie beginnt. Das Sujet entspricht voll und ganz der Tragödie im Canios Leben. Colombina (Nedda) wartet auf ihren Liebhaber (Peppe). Man hört seine Serenade. Der hässliche Diener Tadeo (Tonio) beginnt Colombina eine Liebeserklärung zu machen. Aber der gekommene Harlekin jagt ihn weg. Das Liebestreffen zwischen Colombina und Harlekin ist vom unerwarteten Erscheinen von Pagliacci (Canio) unterbrochen. Die Worte von Colombina zu Harlekin sind die gleichen, die Nedda heute vor seinem echten Liebhaber ausgesprochen hat. Canio ist außer sich. Von Eifersucht verbrannt, will er mit Messer in der Hand den Namen ihres Liebhabers erfahren. Erschrocken versucht Nedda das Spiel fortzusetzen und Canio zur Komödie zurück zu bringen. Das macht ihn nur mehr wütend und er stosst seine Frau mit dem Messer. Erst jetzt begreift das Publikum, dass das keine Vorstellung mehr ist. Silvio stürzt sich, um seiner Geliebten zu helfen, aber Canio tötet ihn auch. In der eingetretenen Stille schallen die Worte von Tonio „E finita la comedia!“ GESCHICHTE DES WERKES Leoncavallobesitztein unbestrittenes Talent eines Komponisten und Schriftstellers. Seine Libretten, in denen der Einfluss des berühmten italienischen Schriftstellers Giovanni Verga (1840–1922) zu spüren ist, der für den Gründer der Strömung „Verismus“ in der Literatur gehalten wird, sind sehr gut und nach den Anforderungen der Bühnendramaturgie geschrieben. Das Libretto von „Pagliacci“ ist auf einer wahren Geschichte aufgebaut. Leoncavallo komponiert diese Oper, um sich an dem Wettbewerb des mailändischen Verlegers Sonsonio 1890 zu beteiligen. Der erste Preis auf diesem Wettbewerb wird der Oper „Cavalleria rusticana“ von Pietro Mascagni erteilt. „Pagliacci“ wurde nicht zugelassen, weil der Wettbewerb nur für Opern in einer Akte ist. Zwei Jahre später hilft Sosonio selbst, dass „Pagliacci“ auf der Bühne inszeniert wird. Ihre Premiere hat am 21 Mai 1892 im Theater D’al Verne“ unter der Dirigentenschaft von Arturo Toscanini stattgefunden. Begeistert vom Publikum empfangen, erobert „Pagliacci“ schnell die Weltbühnen. Aus dem Regisseurkonzept der Aufführung: Das Problem mit der Eifersucht, die uns zu einem moralen und körperlichen Mord im Namen der Ehere treibt, die Vernunft vergessend, ist die Grundlage des Sujets auch von “Cavalleria rusticana” von Mascagni und von Leoncavallos “Pagliacci”. Die klassische Formel: „das Verbrechen aus Liebe“ ist in der Aufführung aus verschiedenen Gesichtspunkten und Perspektiven vorgestellt, und nämlich: Rechtfertigen oder nicht eines Mordes, begangen als eine extrem emotionale Reaktion, als Verteidigung der Ehre, im Namen der Liebe oder die Verteidigung des Rechtes von jedem, zu lieben, frei zu sein und geliebt zu sein, außerhalb der „moralen“ Normen der Ehe, der gesellschaftlichen Vorurteilen, trotz des Berufs, trotz der Vernunft usw.... Nach dem Konzept des Regisseurs sind die beiden Titeln von einem Thema vereinigt, spiegelhaft betrachtet, in einer Aufführung in zwei Teilen, wo die Handlung in dem gleichen Ort, aber zu verschiedener Zeit spielt. In “Cavalleria rusticana” dominiert der weibliche Gesichtspunkt in Bezug auf die Untreue. Die Mutter, die Verlobte und die Geliebte- drei Frauen, drei verschiedene Schicksale vor dem Blick der „Gesellschaft“. In “Pagliacci” sind das männliche Ego, die männliche Ehre, Leidenschaft, Konkurrenz, Kraft, Wollust die in der Handlung führenden Dominanten. Das private Drama des Komödianten- Pagliacci, verwandelt sich in Protest gegen sein Publikum, und noch mehr- Protest gegen den Einfluss der öffentlichen Meinung. Ob das aber ein Problem nur des Komödianten ist, der seine Leidenschaft entfaltet und sein Ego auf der Bühne- Arena zeigt, allein vor seinem Publikum, ist oder auch ein Problem von vielen von uns? Es scheint so, als ob wir mehr für die anderen, die zusehen, verlangen, erwarten und uns verurteilen machen, und nicht für uns selbst oder für den nächsten Menschen neben uns. Darin besteht auch die Aktualität der Themen, behandelt in “Cavalleria rusticana” und “Pagliacci” – zwei Werke, geschrieben vor einem Jahrhundert, wo die Liebe, die Untreue als Verrat und die Ehre einen Krieg mit dem Ziel führen, dass der Mensch frei sein und wählen kann und auch „Sich selbst“ sein kann !